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Mein Großvater

Um 15.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit blieb das Herz meines Großvaters stehen.  Niemand hatte damit gerechnet, obwohl alle wussten, dass er dieses Jahr sterben würde. Aber nicht diesen  Monat. Nicht diese Woche und erst recht nicht an diesem Tag.  Meine Großmutter betrat sein Krankenhauszimmer, gewaffnet mit der Bild Zeitung und ein paar Leckereien, um ihm den täglichen Besuch ab zu statten. Seit einer Woche erst lag er dort im Krankenhaus. In diesem fruchtbar sterilem Zimmer, das sicherlich nach Desinfektionsmittel roch.  Leider kann ich es nicht näher beschreiben, da ich nie dort war. Niemals habe ich ihn im Krankenhaus besucht, da ich niemals zuhause war, als er dort sein  musste.  Ich hingegen saß allein im Ausland und konnte nicht einfach zur Familie fahren. Ich hatte deshalb bereits seinen 80. Geburtstag verpasst. Ich konnte nie dort sein.

Sie erzählte mir später, dass sie nichts ahnend sein Zimmer betrat. Sie sah ihn und glaubte ihn schlafend. Sein rechtes Bein lag seitlich am Bett herunter. Sie rief seinen Namen und fragte was er  mit seinem Bein mache. Keine Reaktion. Sie schritt zu seinem Bett und sprach erneut seinen Namen aus.  Keine Reaktion. Ein Schock und die böse Vorahnung durchfuhr sie. Sie berührte seine Wangen. Sie waren noch ganz warm.

Die Ärzte berichteten ihr später, dass sein Herz stehen geblieben war. Seit 14 Monaten litt er nun schon an Krebs. Prostatakrebs. Eine, für den Krebs relativ kurze Leidenszeit. Mit mehreren Höhen und Tiefen baute er stet ab. Heilung ausgeschlossen. Krebs Endstadion. Alle hatten sich auf einen langen, schmerzvollen Leidenskampf eingestellt, der grad erst zu begonnen haben schien. Er bekam bereits hohe Dosen an Morphium und Glückspillen. Und dann war es nicht der Krebs der sein Leben beendete, sondern sein Herz. Es hörte einfach auf zu schlagen. Am 12.06.2009 um 15.01 Uhr  mitteleuropäischer Zeit.

13.6.09 14:42, kommentieren